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Dianas Malibu-Traum sagt mehr über uns aus als über sie

Die immer wieder kolportierte Behauptung, Diana habe mit ihren Söhnen in Kalifornien neu anfangen wollen, taugt eher als Mythenbildung denn als Enthüllung.

Veröffentlicht
30. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Foto: Tucker, Robert John, 1948-2023 / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Warum bekommt eine Frau, die 1997 gestorben ist, immer wieder neue Enden? Prinzessin Diana wird regelmäßig ein alternatives Leben zugeschrieben, und eines der beliebtesten hat sogar eine Postleitzahl: Malibu. Die Schlagzeilen tun, was sie immer tun. Sie laden uns ein, uns die Söhne, das Strandhaus und jene Version der Geschichte vorzustellen, in der alle rechtzeitig herauskamen.

Was tatsächlich auf dem Tisch liegt

Die Behauptung lässt sich leicht zusammenfassen. The Daily Mail schreibt, laut mehreren Freunden der Prinzessin habe sie vor ihrem Tod 1997 einen Umzug in die USA erwogen, und fügt hinzu, es heiße, sie habe auf das Anwesen von Dodi Fayed in Malibu ziehen wollen. Derselbe Artikel beschreibt sechs Schlafzimmer, einen Tennisplatz und einen Pool. Die Version von Elle Italia rückt William und Harry mit ins Bild, und auf der Seite steht in Anführungszeichen der Satz „Nessuno giudica qui in America“ („Hier in Amerika urteilt niemand“).

Achten Sie auf die Grammatik des Ganzen. „Es heißt.“ „Laut Freunden.“ Vanity Fair formuliert es immerhin als Frage: Plante Diana einen Umzug nach Los Angeles, um mit Dodi al-Fayed ein „neues Leben“ zu beginnen? Eine Frage ist hier das ehrliche Register. In dem Material, das uns vorliegt, bestehen die Belege aus Erinnerungen aus zweiter Hand und einer Immobilienbesichtigung.

Eine Villa ist kein Plan

Wir glauben, dass das Haus den Großteil der Arbeit leistet. Eine Immobilie lässt sich fotografieren, und eine fotografierte Immobilie wirkt wie ein Beweis. Doch eine Villa mit Pool belegt nur, dass es eine Villa gibt. Sie sagt nichts darüber, was jemand vorhatte, und schon gar nichts darüber, was zwei Jungen gewollt hätten oder hätten tun dürfen. Nichts, was wir gesehen haben, klärt das, und wir wären misstrauisch gegenüber jedem Medium, das das Gegenteil behauptet.

Hinzu kommt, dass jemand nicht mehr antworten kann. Diana kann „Freunde sagen“ weder bestätigen noch einschränken noch mit den Augen rollen. So kann die Geschichte in die Richtung wachsen, die das Publikum am befriedigendsten findet, und das Publikum mag eine Form besonders: die Flucht. Palast, Presse, Traurigkeit, dann Sonne und Anonymität.

Warum wir dieses Ende so gern hätten

Das finden wir interessanter als das Haus. Die Malibu-Geschichte ist ein Trost. Sie lässt uns glauben, dass ihr letztes Kapitel ein Anfang war und keine Unterbrechung. Sie schmeichelt zudem der Gegenwart, denn sie stellt Diana als jemanden dar, der den Abschied vom royalen Leben vorweggenommen hätte, den später ihr jüngerer Sohn vollzog. Das ist hübsch und zugleich bequem unwiderlegbar.

Achten Sie auch darauf, wie sich die Erzählung in den aktuellen Nachrichtenzyklus einfügt. Diese Woche berichtet Hola darüber, was Dianas Bruder zufolge ihr Wunsch für William und Harry inmitten ihres Zerwürfnisses gewesen wäre. Für die Details dieses Beitrags können wir über die Überschrift hinaus nicht garantieren. Aber das Muster ist klar: Diana dient als moralischer Kompass für Familienstreitigkeiten, die sie nie erlebt hat. Was sie „gewollt hätte“, ist ein Blankoscheck, und jeder löst ihn für die eigene Seite ein.

Unser Urteil

Lesen Sie die Malibu-Geschichte als Folklore und genießen Sie sie als solche. Sie mag durchaus einen wahren Kern enthalten: Freunde haben sie womöglich tatsächlich von Kalifornien sprechen hören. Das ist plausibel, und wir behaupten nichts Gegenteiliges. Aber plausibel ist nicht bewiesen, und der hypothetische Umzug einer Verstorbenen sollte nicht für heutige royale Fehden eingespannt werden.

Wer sie respektieren will, sollte der Versuchung widerstehen, ihre Geschichte an ihrer Stelle zu Ende zu erzählen. Die Version, in der sie an die Küste zog, ist nicht wissbarer als die, in der sie blieb. Das Nützlichste, was Leserinnen und Leser mit einer solchen Schlagzeile tun können, ist zu fragen, wem es nützt, dass das Ende umgeschrieben wird, und manchmal sind das einfach wir selbst, die wir die Aussicht genießen.

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