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Trendsfera-Redaktion
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Romantasy ist kein Guilty Pleasure, sondern der neue Blockbuster der Buchbranche

A Court of Splintered Harmony verkaufte am ersten Tag 1,7 Millionen Exemplare. Kostüme, Dessous und Ballkarten zeigen: Das Buch ist nur die halbe Veranstaltung.

Veröffentlicht
2. November 2026
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3 min
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Foto: Cory Doctorow / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Was war das größte Unterhaltungsereignis der Woche: eine Superhelden-Premiere, eine Stadiontour oder ein zwölfstündiges Hörbuch über Feenhöfe? Wer in der Buchbranche arbeitet, kennt die Antwort bereits, und sie hat Flügel.

Sarah J. Maas' A Court of Splintered Harmony, der sechste Band ihrer Reihe A Court of Thorns and Roses, erschien am 27. Oktober. Laut Variety übertraf er mit 1,7 Millionen verkauften Exemplaren ihren eigenen Rekord für den Erscheinungstag. Andere Medien berichten, die Zahl schließe Vorbestellungen ein. Kirkus ergänzt, dass Hörbücher und Übersetzungen nicht mitgezählt sind.

Die Zahlen sind nur der Anfang. Die New York Times beschreibt kostümierte Fans, die im ganzen Land zusammenkamen, um zu feiern und Geld auszugeben. Der Guardian berichtet, dass sich in einer Liebesroman-Buchhandlung in Leamington Spa 6.000 Menschen um 220 Karten für einen Maskenball bewarben. Eine Marke brachte eine Dessous-Linie heraus. Das ist kein Buchstart. Das ist ein Feiertag mit angehängtem Buch.

Das Buch ist die Eintrittskarte, nicht die ganze Show

Schauen Sie sich an, was den Roman umgibt. Die New York Post berichtet, Knix habe eine Kollektion auslaufsicherer Unterwäsche in Zusammenarbeit herausgebracht, entwickelt mit Hilfe von 40 eingefleischten Fans und thematisch an den Höfen der Reihe orientiert. Sie reihe sich in weitere Dessous-Kooperationen und Merchandise ein, von Überwürfen von Sam's Club bis zu Ballkleidern für 700 Dollar. Audible bietet laut Daily Record parallel zum Hörbuch eine Aktion für 99 Pence im Monat an.

Aus unserer Sicht ist das der eigentliche Wandel. Superhelden-Studios haben längst gelernt, dass eine Geschichte eine Plattform für Produkte und Rituale sein kann. Romantasy ist auf anderem Weg am selben Punkt angekommen, von unten nach oben. Fans helfen beim Entwurf der Kollektionen, Fans verkleiden sich, Fans verkaufen den Ball aus. Der Verlag habe eine ganzjährige weltweite Kampagne geführt, um die Leserschaft bei der Stange zu halten, so Inc., und die Reihe kam fünf Jahre ohne neuen Band aus. Fünf Jahre Warten, und das Publikum erschien trotzdem im Kostüm. Das ist kein Trend. Das ist eine Treue, für die die meisten Franchises alles tun würden.

Das Etikett „Guilty Pleasure“ erledigt das Abwerten

Maas hat deutlich benannt, wie Kritiker über dieses Genre sprechen. Im Podcast Call Her Daddy sagte sie: „Ich finde, es gibt eine Tendenz, bei Dingen, die Freude bringen, die Augen zu verdrehen. Und besonders bei Dingen, die Frauen Freude bringen.“ Was auch immer man von ihrer Prosa hält: Das Muster, das sie beschreibt, ist kaum zu übersehen.

Ein Substack-Newsletter, The Madrid Review, schreibt, Maas habe weltweit mehr als 75 Millionen Exemplare verkauft und bleibe dabei für Jurys unsichtbar. Ein anderer Bericht beziffert ihre Reihen zusammen auf über 50 Millionen bis 2025 und beruft sich auf Investorenberichte von Bloomsbury. Die beiden Zahlen weichen voneinander ab, deshalb legen wir uns nicht fest. So oder so bleibt die Aussage bestehen: Eine Autorin, die das literarische Establishment ignoriert, trägt einen guten Teil von dessen Geschäft. „Guilty Pleasure“ nennt man einen Markt, den man lieber nicht respektieren möchte.

Respekt ist nicht dasselbe wie Verehrung. Der Text der NYT führt den Boom auf die Pandemie zurück, als BookTok zu einem mächtigen Marketingmotor wurde und Leser raus wollten. Ein Kommentar, auf den wir gestoßen sind, argumentiert sogar, die Verlage hätten die Formel überhastet kopiert, und das Genre fresse sich inzwischen mit Klonen selbst auf. Das ist ein Meinungsbeitrag, noch dazu ohne Datum, aber er benennt ein reales Risiko: Wenn alles „die nächste Maas“ ist, werden Leser müde.

Die Fangemeinde ist der Burggraben, das Merchandise der Beweis

Nicht alle sind von den Extras begeistert, und das sagt selbst viel aus. Die NY Post vermerkt, manchen Fans sei die Knix-Linie „zu schlicht“ und nicht verspielt genug gewesen. Über ein Produkt, das einem egal ist, streitet niemand so laut. Wenn Fans die Ästhetik ihrer eigenen Welt überwachen, zeigt sich, was Zugehörigkeit bedeutet.

Unser Urteil: Romantasy sollte nicht länger als geduldete Nische behandelt werden, sondern als kulturelle Kraft mit eigener Wirtschaft. Wer liest, sollte lesen, was gefällt, ohne sich zu entschuldigen. Für Verlage und Marken lautet die Lehre nicht „Kauf einen Feenroman“. Sie lautet: Die Community, nicht das Cover, ist das Produkt. Band sieben, A Court of Forgotten Melody, soll laut Daily Record im Januar erscheinen. Die Kostüme dürften bereitliegen.

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