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Trendsfera-Redaktion
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Proxies sind kein Trostpreis für Weintrinker, sondern ein Konkurrent

Komplexe alkoholfreie Proxies zeigen: Bei „Sober Curious“ geht es um bessere Getränke, nicht nur um Verzicht. Restaurants, die weiter Traubensaft servieren, sollten umdenken.

Veröffentlicht
24. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Was, wenn der beste alkoholfreie „Wein“ gar nicht versucht, Wein zu sein? Genau darauf setzen Proxies, alkoholfreie Getränke, die derzeit in der deutschsprachigen Wein- und Gastronomiepresse auftauchen. Wir halten diese Wette für gut – und die Gastronomie für zu zögerlich, sie ernst zu nehmen.

Ein Proxy ist kein verkleideter Wein, sondern ein anderes Getränk

Die Idee ist einfach. Herkömmlicher alkoholfreier Wein ist echter Wein, dem der Alkohol entzogen wurde, etwa durch Umkehrosmose oder Vakuumdestillation. Proxies überspringen diesen Schritt. Laut der Marke Proxies sind sie vielschichtige Mischungen aus Säften, Tees, Gewürzen, Bitterstoffen und mehr, von Anfang an für die Speisenbegleitung konzipiert. Die deutschsprachige Fachberichterstattung wiederum betont die Fermentation als Ausgangspunkt der Idee. Dabei gilt: Die Marke beschreibt sich hier selbst, und ihr Seitenhieb auf „entalkoholisierten Plörre“ ist Marketing, kein Urteil.

Die Imitation war immer die Schwachstelle

Die Aussagen von Sommeliers in einem Ratgeber von Casamara Club (selbst eine Marke mit Interesse an der Kategorie) sind deutlich. Ein dort zitierter Sommelier sagt, alkoholfreie Weine schmeckten „ziemlich nach Traubensaft, nur mit etwas Pfiff“. Unsere Lesart: Das Problem war nie mangelnder Einsatz, sondern die Prämisse. Wer sein Produkt an einem Bordeaux misst, verliert schon beim ersten Schluck, denn Alkohol trägt Geschmack und Textur, wie derselbe Ratgeber festhält.

Ein Proxy verändert die Frage. Kaum jemand fragt, ob er wie ein Pinot Noir schmeckt. Gefragt wird, ob er trocken, säurebetont, bitter und strukturiert ist und ob er zu einem Teller Essen passt. Das ist ein fairerer Wettbewerb – und ein schmeichelhafterer.

Ein Allheilmittel ist es nicht. Ein Tester von Some Good Clean Fun nennt Proxies die umstrittenste Marke der Nische: Die einen lieben sie, viele Käufer haben dagegen die Person verflucht, die sie empfohlen hat. Den Big Red lobte derselbe Tester dennoch als trocken, tanninreich und zuckerarm, zu 22 US-Dollar in den USA. Diese Spaltung ist gesund. Eine Kategorie mit echten Meinungen ist eine Kategorie mit echten Produkten.

Bei Sober Curious geht es um Geschmack, nicht um Abstinenz

Die Marktdaten stützen eine weniger moralisierende Lesart. Grand View Research beziffert den weltweiten Markt für alkoholfreien Wein 2025 auf 2,5 Milliarden US-Dollar und prognostiziert bis 2033 einen Wert von 5,3 Milliarden. Außerdem nennt die Studie eine Zahl, die wir interessanter finden: 92 % der Käufer alkoholfreier Getränke trinken weiterhin Alkohol. Das sind keine Konvertiten zur Abstinenz. Es wirken eher wie Trinkende, die an einem Dienstag, auf einer Hochzeit oder zwischen zwei Flaschen etwas Gutes im Glas haben wollen.

Das ist der Kern der Sache. Die Sober-Curious-Welle wird oft als Rückzug vom Genuss dargestellt. Der Proxy legt das Gegenteil nahe: Menschen wollen das Ritual, das Glas, die Speisenbegleitung und das Gespräch behalten und weigern sich, dafür mit einem zuckrigen Ersatz zu bezahlen. Wer das als Anspruch an Qualität versteht, bekommt ein ganz anderes Geschäft.

Restaurants sollten das nicht länger als Nebensache behandeln

Zu viele Karten behandeln Gäste, die nicht trinken, unserer Ansicht nach noch immer als Fußnote – mit einem Alibi-Mocktail oder einer Flasche entalkoholisiertem Irgendwas. Cocktails und Limonaden seien nicht dafür gedacht, ein Essen zu begleiten, argumentiert die Marke Proxies, und in diesem Punkt hat sie unserer Meinung nach recht, unabhängig von ihrem kommerziellen Motiv. Ein Sommelier, der einen Proxy zu einem Gericht empfehlen kann, behält wahrscheinlich die gesamte Rechnung des Tisches, auch die der Person, die sonst Wasser bestellen würde.

Unser Rat ist praktisch. Zwei oder drei Proxies gehören auf die Karte, neben die Weine und nicht in ein eigenes „Zero“-Ghetto. Das Personal sollte sie über ihre Struktur beschreiben, nicht über das, was ihnen fehlt. Serviert werden sollten sie in ordentlichen Gläsern. Und man sollte ehrlich sein: Sie sind kein Wein, und die besten müssen es auch nicht sein.

Unser Urteil: Proxies sind überschätzt, wenn man sie als „Wein ohne Alkohol“ verkauft, und unterschätzt, wenn man sie als neue Art von Getränk für den Tisch begreift. Restaurants, die den Unterschied verstehen, haben die interessanteren Karten.

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