Warum der Abschied von Luise Bähr Die Bergretter mehr trifft als jede Wendung
Nach zwölf Jahren verlässt Luise Bähr die ZDF-Serie am Donnerstagabend. Das Publikum bindet sich an Gesichter, nicht an Handlungen – Sender sollten Abschiede als Event inszenieren.
Foto: JCS / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Können Sie sich an die Handlung einer Serie erinnern, die Sie ein Jahrzehnt lang gesehen haben? Vermutlich nicht. Aber Sie wissen noch, wer jeden Donnerstag mit Ihnen auf dem Sofa saß. Das ist die eigentliche Geschichte hinter den Schlagzeilen über den Abschied von Luise Bähr aus der ZDF-Serie Die Bergretter, und sie erklärt, warum ein Besetzungswechsel in einem Bergrettungsdrama überhaupt ein Thema ist.
Was passiert ist, kurz gefasst
Wie web.de berichtet, bestätigte das ZDF am Mittwoch, dass Bähr (47) nach 13 Staffeln aussteigt. Die neue Staffel mit sieben Folgen ist ihre letzte. Sie lief seit dem 22. Oktober im Streamingportal des ZDF und startet am 29. Oktober im Fernsehen. Seit 2014 spielt sie die Notärztin Katharina Strasser. Wie die Figur aus der Serie ausscheidet, verrät der Sender nicht, allerdings zeigt die Vorschau, dass bei ihr im Lauf der Staffel Leukämie diagnostiziert wird.
Bähr sagte dem ZDF, der Abschied mache sie „einerseits traurig und andererseits dankbar“. Wirklich real wurde er für sie bei ihrem letzten Hubschrauberflug über dem Dachstein, ihrem „letzten Flug in der roten Jacke“. Dem Sender bleibt sie erhalten: Die Dreharbeiten zur neuen Serie „SOKO Spurenjäger“ haben bereits begonnen.
Das Publikum bindet sich an die Besetzung, nicht ans Drehbuch
Die Bergretter folgt einer Formel: In jeder Folge gibt es eine Rettung, einen leichtsinnigen Wanderer und etwas Privatdrama. Die Formel ist das, was die Serie verkauft, aber sie ist austauschbar. Die Menschen sind es nicht. Laut ZDF trug Bähr mit ihrem „authentischen und nahbaren“ Spiel die emotionalen Geschichten der „Bergretter-Familie“. Man beachte das Wort Familie: Der Sender selbst beschreibt sein Produkt als Beziehungen, nicht als Rettungseinsätze.
Deshalb zählt das Auf und Ab zwischen Strasser und Markus Kofler, gespielt von Sebastian Ströbel, mehr als jede Lawine. Zwölf Jahre reichen aus, damit Zuschauer gemeinsam mit einer Figur älter werden. Unsere Einschätzung: Wenn ein solches Gesicht geht, trauern die Leute nicht um einen Handlungsstrang, sondern um ihre eigene Routine.
Die Serie weiß das längst und improvisiert trotzdem
Die Serie blickt auf viele Abschiede zurück. Der Rückblick von Joyn erinnert daran, dass Peter Herbrechter in Staffel 15 an einem Herzinfarkt starb und Andreas Marthaler, der Leiter des Rettungsteams, bei einem Einsatz ums Leben kam. Außerdem erwähnt er, dass auch die Figur Franz Marthaler, gespielt von Heinz Marecek, in dieser Staffel stirbt. Zwei große Abschiede in einer Staffel.
Hier sehen wir die Schwachstelle. Häufen sich die Abschiede, droht jeder einzelne an Wirkung zu verlieren. Und die Leukämie-Handlung war in der Presse zu lesen, bevor Bährs Ausstieg offiziell war; die Bekanntgabe kam daher als zweiter Schock statt als geplanter Moment. Das ZDF sagt, es habe Details zurückgehalten, um die Spannung zu wahren, was nachvollziehbar ist. Doch die Abfolge aus Durchstechereien und Bestätigungen wirkt auf uns eher wie Schadensbegrenzung als wie Choreografie.
Den Abschied zur Premiere machen
Unsere Empfehlung ist einfach. Wenn das Publikum sich an Menschen bindet, ist ein Abschied die wertvollste Geschichte, die eine langlaufende Serie erzählen kann, und er verdient einen Plan. Das heißt: früh ankündigen, einen Staffelbogen darum aufbauen und dem Darsteller einen Abschied nach den Regeln der Serie bieten, idealerweise mit der Chemie der Besetzung im Mittelpunkt. Zyniker nennen das Quotenköder. Wir nennen es Respekt vor dem Publikum, das dabeigeblieben ist.
Fairerweise hat das ZDF einiges richtig gemacht. Es würdigte Bähr herzlich, hielt sie mit einer neuen Serie in der Senderfamilie und ließ sie offen über die Gefühle beim letzten Flug sprechen. Dieses Detail ist das beste Marketing, das sich die Serie wünschen kann, weil es menschlich ist.
Das Fazit: Der Ausstieg von Luise Bähr ist kein Handlungsproblem, sondern ein Beziehungsproblem, und der Sender, der ihn so behandelt, wird sein Donnerstagspublikum halten. Ob Die Bergretter das in den kommenden Wochen gelingt, bleibt abzuwarten. Wir würden zuerst die letzte Folge sehen und dann urteilen.
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