Forsthaus Rampensau zeigt: Schamlosigkeit ist ein Geschäftsmodell
Staffel vier mit Claudia Obert im Mittelpunkt zeigt, warum deutsches Trash-TV funktioniert: Alle Beteiligten kennen den Deal – das Publikum belohnt die Lauten, und die wissen es.
KI-generiertes Bild
Was passiert, wenn man zehn Paare professioneller Reality-TV-Gesichter in einer Berghütte auf 1.300 Metern einquartiert, ohne Luxus und mit einer Kamera in jeder Ecke? Zunächst einmal: vier Staffeln in Deutschland. Und aus unserer Sicht entsteht dabei auch eine der ehrlichsten Sendungen im Fernsehen, gerade weil sie gar nicht erst vorgibt, etwas anderes zu sein.
„Forsthaus Rampensau Germany“ kehrt mit der vierten Staffel zurück, und die Besetzung steht fest. Laut TV Digital, das sich auf die Ankündigung von Joyn und sixx beruft, startet die Staffel am 6. November. Die Modeunternehmerin Claudia Obert tritt gemeinsam mit der ehemaligen „Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Theresia Fischer an. Die beiden sind das diesjährige „Überraschungspaar“: Keine von ihnen weiß vor Sendungsbeginn, wer ihre Partnerin ist. Die Gewinner erhalten den Titel „Die größten Rampensäue“ und, wie die SWP berichtet, 25.000 Euro.
Die Besetzung ist ein Greatest-Hits-Album – und genau das ist der Punkt
Ein Blick in die Lebensläufe genügt. Die Kandidatinnen und Kandidaten kommen zusammengenommen aus „Promi Big Brother“, „Das Sommerhaus der Stars“, „Ex on the Beach“, „Temptation Island“ und dem Dschungelcamp. Das Duo Gigi Birofio und Peris Grigoriadis wird von der SWP als Reality-Veteran präsentiert, der seinen Jugendfreund in die bunte Welt des Reality-TV einführt. Ein weiteres Paar, Laura Blond und Nadja Großmann, betreibt einen Podcast mit dem Titel „Läster, Schwester!“. Zwei weitere, LilliPop und Jessica Zemer, haben sich ihr Ticket über die „Realitystar Academy“ gesichert, die nach unserem Eindruck als Nachwuchsschmiede für die nächste Generation von Kandidaten dient.
Hier versammeln sich keine Menschen, die zufällig berühmt geworden sind. Es ist ein geschlossenes Ökosystem, ein Ensemble mit festem Stamm. Das ist unserer Ansicht nach das Interessanteste an diesem Format. Die Kameras entdecken niemanden. Sie engagieren Profis, und das Publikum weiß es.
Obert ist die Blaupause: die Laute, die niemandem etwas vormacht
Obert ist das naheliegende Sinnbild dafür, warum das funktioniert. Die SWP nennt sie eine „Reality-Ikone“, und die Logik der Besetzung ist eindeutig: eine etablierte, laute Persönlichkeit mit einer Fremden zusammenspannen, das Sicherheitsnetz entfernen und abwarten. Ob tatsächlich etwas Dramatisches passiert, entscheidet die Staffel. Doch der Aufbau verrät, wofür die Produzenten glauben, dass die Zuschauer einschalten.
Und wofür die Zuschauer einschalten, ist nach unserer Einschätzung nicht Authentizität. Es ist eine Inszenierung, die zugibt, eine Inszenierung zu sein. Das Wort „Rampensau“ bezeichnet jemanden, der das Rampenlicht an sich reißt, und die Sendung trägt es als Ehrentitel. Wenn das Etikett der Preis ist, gibt es nichts mehr zu enthüllen. Niemand wird dabei ertappt, wie er Bescheidenheit vorspielt.
Das unterscheidet ein gutes Guilty Pleasure von einem zynischen. Sendungen, die sich als „echtes Leben“ verkaufen und dann Konflikte inszenieren, wirken schmierig. Eine Sendung, die sagt: „Diese Leute wollen Aufmerksamkeit, und wir haben eine Hütte darum herum gebaut“, wirkt seltsamerweise sauberer.
Das Format ist klüger, als Snobs zugeben
Die Spielmechanik verdient einigen Respekt. Laut deutscher Wikipedia gibt es in dem Format die Wahl des „Oberförsters“ und das „große Absägen“, eine Nominierungsrunde, in der die anderen Paare zwei Teams „absägen“, die dann in einem „Rein-Raus-Duell“ gegeneinander antreten. Die Sendung wurde als österreichische Antwort auf „Das Sommerhaus der Stars“ gelesen, und der Titel zwinkert der alten Familienserie „Forsthaus Falkenau“ zu. Das ist eine ganze Menge selbstbewusster Wortspiele für ein Genre, das viele als dumm abtun.
Gibt es eine Kehrseite? Natürlich. Ein geschlossener Kreislauf aus Menschen, die vor allem dafür berühmt sind, berühmt zu sein, kann abgedroschen wirken, und man fragt sich, wie oft dieselben Gesichter noch neu gemischt werden können, bis das Publikum gähnt. Manche Kandidaten bringen Ballast mit: Die SWP merkt an, dass Brenda Brinkmann zuletzt mit negativen Schlagzeilen auffiel und dann aus dem Blickfeld verschwand. Ob die Sendung das als Comeback-Geschichte oder als Spektakel behandelt, wollen wir lieber nicht vorhersagen.
Unser Urteil
Einschalten, und zwar ohne Entschuldigung. Die ehrliche Art, „Forsthaus Rampensau“ zu genießen, ist als Sport mit Kostümen: Alle sind Profis, die Regeln sind albern, und der Preis ist bescheiden. Der beste Tipp für Staffel vier ist das Duo mit Obert, schlicht weil eine erzwungene Partnerschaft das Einzige ist, was eine Besetzung aus Veteranen nicht vollständig vorab planen kann. Die Sendung funktioniert nicht, weil das Publikum dazu verleitet wurde, Schamlosigkeit zu belohnen, sondern weil beide Seiten den Vertrag offen unterschrieben haben. Das ist im Fernsehen seltener, als es klingt.
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