William auf Nortons Sofa: Nahbarkeit als Strategie – und sie funktioniert
Der Prince of Wales schwärmt von Christopher Nolan und The Celebrity Traitors. Das wirkt wie kalkulierter Charme, doch die moderne Monarchie überlebt, indem sie Fan ist wie alle anderen.
Foto: AD Vedder / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
Kann ein künftiger König zugleich authentisch und strategisch sein? Prinz Williams Überraschungsauftritt auf Graham Nortons rotem Sofa legt nahe: ja, und beides steht nicht mehr im Widerspruch. Ein Royal, der sagt, es sei „richtig gutes Fernsehen“, macht sich nicht gemein. Er erledigt seinen Job.
Ein Überraschungsgast, eine sehr geplante Botschaft
Wie Digital Spy berichtet, trat der Prince of Wales unangekündigt in der Folge auf, die am Freitag, dem 23. Oktober, ausgestrahlt wird. Mit ihm saßen Cate Blanchett, Hannah Waddingham und Robert Irwin auf dem Sofa, die über den Earthshot Prize sprechen sollten. HuffPost UK merkt an, er sei das erste Mitglied der Königsfamilie auf Nortons Sofa, und das Studiopublikum sei verblüfft gewesen.
Dann folgte der Popkultur-Teil. Er sagte, die Familie liebe The Celebrity Traitors, und Charlotte und Louis seien „besessen davon“. Er bezeichnete sich als „großen Fan von allem, was Christopher Nolan macht“, und lobte die Dark-Knight-Filme als „psychologisch düster und tiefgründig“. Außerdem habe er am Tag nach der ersten Folge versucht, Ross Kemp anzutippen, um zu sehen, wie dieser reagiert. Kemp sei offenbar zusammengezuckt.
Der Charme ist kalkuliert, und das ist keine Beleidigung
Tun wir nicht so, als wäre das ein spontaner Besuch gewesen. Ein Überraschungsgast in einer Sendung auf BBC One, dazu eine Pressemitteilung, die ankündigte, er werde bei der Bewertung der Big-Red-Chair-Geschichten helfen, ist ein inszenierter Moment. Und er hatte einen Zweck: Der Earthshot Prize, den William 2020 gegründet hat, war der offizielle Anlass des Besuchs. Unsere Lesart: Das Gespräch über Nolan und Traitors ist der Zuckerguss, der eine Umweltpreis-Gala vor ein Freitagabend-Publikum bringt, das nie eine Pressekonferenz anschauen würde.
Kalkuliert heißt aber nicht unecht. Wir können nicht wissen, was er zu Hause wirklich sieht, und wollen nicht spekulieren. Wir können sagen, dass die Auswahl gut getroffen ist. Nolan ist die sichere Antwort für Cineasten: ernst, ohne snobistisch zu sein. The Celebrity Traitors ist die Sendung, über die gerade alle reden, ein Spiel darüber, den Leuten ins Gesicht zu lügen, und der Familienaspekt ist unwiderstehlich. Die Anekdote über Ross Kemp ist das Sahnehäubchen: Ein schelmischer Prinz ist ein sympathischer Prinz.
Die Monarchie überlebt heute durch Fandom
Der alte Pakt hieß Mystik: distanziert bleiben, magisch bleiben. Dieser Pakt ist abgelaufen. In einer Zeit, in der jeder seinen Geschmack öffentlich macht, wirkt ein Royal, der nicht sagt, was ihm gefällt, kühl. Der neue Pakt lautet, Fan zu sein wie alle anderen, eine Meinung zum Dark Knight und zu den Verrätern zu haben. Es ist dieselbe Logik, die die Promikultur antreibt, angewandt auf die Krone.
Ein Kontrast verdient Erwähnung. HuffPost weist darauf hin, dass Prinz Harry in amerikanischen Late-Night-Shows aufgetreten ist, darunter ein Auftritt zeitgleich mit der Veröffentlichung seiner Memoiren, Reserve. Williams Ansatz ist das Spiegelbild: keine Memoiren zu bewerben, nur eine Fernsehgewohnheit der Familie und ein guter Zweck. Ob das klüger ist, ist Geschmackssache, aber es ist sicherlich sicherer. Das Publikum bekommt Persönlichkeit, aber keinen Skandal.
Unser Urteil
Es funktioniert und wird wohl weiter funktionieren, weil es dem Zuschauer sehr wenig abverlangt. Niemand muss die Monarchie mögen, um zu genießen, wie ein Prinz zugibt, er habe eine Phase gehabt, in der er DJ werden wollte, auch wenn er nach eigener Aussage „kein sehr guter“ war. Dieser selbstironische Satz ist die ganze Strategie im Kleinen.
Das Risiko ist Überpräsenz. Nahbarkeit ist ein Gewürz, keine Mahlzeit; wer sie zu oft einsetzt, verliert die Mystik, ohne dass Substanz an ihre Stelle tritt. Unser Rat an den Palast lautet daher, solche Auftritte selten zu halten und an echte Arbeit zu knüpfen, wie hier. Und den Zuschauern raten wir: die Sendung genießen, aber auf die Rahmung achten. Die wirksamste royale PR ist die, die sich wie ein Gespräch über Fernsehen anfühlt.
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